33 Grad und es wird noch heißer

Lebensgefahr für Hunde – und wie wir diese vermeiden

20.07.2018

 

Der Sommer meint es extrem gut mit uns und das seit Wochen. Die Hitzeperiode hört gar nicht auf. Mit vorgesagten 33 Grad werden wir heute wieder einen Hitzerekord aufstellen und nächste Woche legt der Sommer direkt noch eine Schippe drauf. Damit unsere Hunde gut durch die heißen Tage kommen, gibt es heute ein paar Tipps. 

Hunde nicht im Auto lassen!

Gerade vorgestern kam unweit von hier wieder ein Hund ums Leben, weil sein Mensch ihn für mehrere Stunden im verschlossenen Auto zurückgelassen hatte. Der zweite Hund überlebte, hat das aber nur der notfallmedizinischen Behandlung in der Tierklinik zu verdanken. Mich machen diese Meldungen immer so unfassbar traurig und auch wütend. Aber Trauer und Wut retten kein Hundeleben, deswegen müssen wir es immer wieder mit Aufklärung versuchen.

 

Bereits bei mäßigen 20 Grad Außentemperatur droht Lebensgefahr für unsere geliebten Fellnasen, wenn sie alleine im Auto zurückgelassen werden. Es hilft auch leider nichts, den Wagen im Schatten zu parken oder ein oder mehrere Fenster geöffnet zu lassen. Unterschätzt wird leider auch sehr oft, dass die Sonne wandert. Stand das Auto eben noch im Schatten, steht es vielleicht ein paar Minuten später in der prallen Sonne. Schaut Euch die Grafik an – selbst bei nur moderaten 20 Grad Außentemperatur steigt die Temperatur im Innenraum nach nur fünf Minuten bereits auf 24 Grad an. Bei Temperaturen wie wir sie heute erwarten, steigt die Temperatur im Innenraum nach fünf Minuten bereits auf 36 bis 38 Grad an! Größte Herausforderungen an die Thermoregulation des Hundes, die zwar sehr ausgeklügelt ist aber eben auch ihre Grenzen hat.

Thermoregulation beim Hund

Die Normaltemperatur bei Hunden liegt bei ca. 37,5 bis 39 Grad. Ziel der Thermoregulation ist, genau wie bei uns auch, die Aufrechterhaltung der Normaltemperatur, sprich der Körperkerntemperatur. Hunde verfügen aber, anders als wir Menschen, nur über sehr wenige Schweißdrüsen und diese sitzen vorwiegend an den Pfotenballen. Ein Wärmeausgleich über die Körperoberfläche (also die Haut) durch Schwitzen ist ihnen deshalb nicht möglich. Steigt die Umgebungstemperatur weiter an, beginnen unsere Hunde deshalb vermehrt zu hecheln, um die Körpertemperatur zu senken. Das funktioniert aber nur zuverlässig, wenn die Außenluft kälter ist als die Luft, die ausgeatmet wird. Andernfalls drohen Hitzschlag und Herz-Kreislauf-Versagen.

Gassi gehen und Freizeitaktivitäten

Natürlich wollen wir im Hochsommer nicht auf gemeinsame Abendteuer verzichten. Körperliche Anstrengung gilt es aber zu vermeiden. Am sinnvollsten ist es, die ausgeprägten Spaziergänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen. Auf alles, was die Atmung, Körpertemperatur und Puls in die Höhe treibt, sollte bei großer Hitze verzichtet werden. Dazu gehören auch Radtouren, die regelmäßige Joggingrunde oder Hundesport im Allgemeinen. Eine gute Idee ist es, die gemeinsamen Spaziergänge beispielsweise an einen Bach oder einen See zu verlegen oder einfach mal in den Wald zu gehen. Die Bäume spenden Schatten und unsere Hunde lieben es, mal auf anderen Wegen unterwegs zu sein und andere Gerüche aufzunehmen. Der Waldboden ist auch deutlich kühler als beispielsweise asphaltierte oder sandige Wege, denn diese Böden können in der Sonne glühend heiß werden. Bei den aktuellen Temperaturen von über 30 Grad kann die Asphalttemperatur auf 60 Grad ansteigen. Das kann zu schmerzhaften Verbrennungen und Verletzungen an den sensiblen Pfotenballen kommen. Um nachzuvollziehen, was unsere Hunde da aushalten müssen, empfehle ich gerne, sich mal mit nackten Füßen auf Asphalt zu stellen. Wenn das für uns zu heiß ist, dann ist es das definitiv auch für unsere Hunde.

 

Bei längeren Ausflügen denkt bitte unbedingt daran, etwas zu trinken mitzunehmen und Euren Hunden immer mal wieder Wasser anzubieten.

 

Aber auch zuhause gilt es ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Manche Hunde sind wahre Sonnenanbeter, könnte man meinen. Manchmal stimmen hier aber einfach das Temperaturempfinden und die Regulationsmechanismen nicht. Achtet deshalb bitte darauf, dass Eure Hunde nicht zu lange in der Sonne liegen und sorgt dafür, dass auch auf dem heimischen Grundstück ausreichend Schattenplätze und immer Frischwasser verfügbar sind.

 

Wichtig zu wissen ist, dass es, genau wie bei uns Menschen auch bei unseren Hunden sogenannte Risikogruppen gibt. Für ältere Hunde, Hunde mit Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht oder Erkrankungen der oberen Atemwege sind die heißen Sommertage besonders belastend – genauso wie für Vertreter der kurznasigen Rassen.

Symptome einer Überhitzung und Erste Hilfe

Der tierische Notfall kündigt sich bei einer Überhitzung durch verschiedene Symptome an:

  • starkes Hecheln, schnelle flache
  • Atmung und erhöhter Puls
  • Sabbern und möglicherweise Erbrechen
  • erhöhte Körpertemperatur
  • glasiger Blick
  • blasse Schleimhäute und tiefrote Zunge
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle bis hin zur Bewusstlosigkeit

Die Symptome können einzeln oder auch gebündelt auftreten.

Um dem Hund wirklich helfen zu können, gilt es als wichtigste Maßnahme einen kühlen Kopf zu bewahren und besonnen zu handeln.

  • Raus aus der Sonne! Bringt den betroffenen Hund schnellstmöglich in den Schatten.
  • Wasser anbieten! Bietet dem betroffenen Hund Wasser an. Das darf aber nicht zu kalt sein, weil das den Kreislauf zusätzlich belastet. Wenn der Hund nicht trinken möchte, bitte auf gar keinen Fall zwingen oder gar einflößen.
  • Vorsichtig für Abkühlung sorgen! Die Betonung liegt auf vorsichtig, denn radikale Abkühlung belastet zu stark  den Kreislauf und führt noch schneller zum Kollaps. Am besten eignen sich dazu feuchte und kalte Tücher, die alle paar Minuten ausgewechselt werden. Die Tücher sollten nicht auf den ganzen Körper gelegt werden, sondern möglichst nur auf unbehaarte/wenig behaarte Stellen wie Bauch, Innenseite der Schenkel und Pfoten.
  • Schnellstmöglich den Tierarzt kontaktieren! Am besten ist, sich die wichtigsten Rufnummern von Tierarzt und nahegelegener Tierklinik im Adressbuch zu speichern, so dass man im Notfall schnell zugreifen kann und nicht lange suchen muss. So mache ich das übrigens auch, wenn wir mit Sam in den Urlaub fahren – ich schaue immer im Vorfeld, wo der nächste Tierarzt oder die nächste Tierklinik ist.

Rettung aus einem fremden Fahrzeug...

Was ist nun aber, wenn es sich nicht um das eigene Tier handelt sondern man beispielsweise auf dem Supermarktparkplatz ein Auto sieht, in dem ein Hund eingeschlossen ist? Auch hier gilt es, besonnen zu handeln – auch wenn die Wut im Bauch ins Unermessliche steigt und man am Liebsten sofort die Scheibe einschlagen würde.

  • Versucht unbedingt zuerst, den Fahrer des Wagens ausfindig zu machen. Lasst, dort wo es möglich ist, den Fahrer über die Haussprechanlage ausrufen (z.B. im Supermarkt) und sprecht andere Passanten an, so dass ihr a) Helfer und b) Zeugen für den Falle eines Falles habt.
  • Lässt sich der Hundehalter nicht kurzfristig ausfindig machen, ruft die Polizei an und lasst Euch dort weitere Anweisungen geben.
  • Wenn sich der Zustand des Hundes verschlechtert oder er bereits in einem besorgniserregenden Zustand ist, der es unmöglich macht auf die Polizei zu warten, dürft Ihr, nachdem Ihr die Polizei alarmiert habt, handeln und den Hund befreien. Geht auch hier besonnen vor:
    • Prüft zunächst, ob der Wagen überhaupt verschlossen ist, oder sich die Tür durch ein geöffnetes Fenster öffnen lässt. Denkt dran, Scheibe einschlagen bringt auch Risiken für den Hand, wenn die Scherben auf ihn niederhageln.
    • Schlagt die kleinste Scheibe ein, z. B. ein Seitenfenster, um a) die Gefahr für den Hund und b) auch den Sachschaden so gering wie möglich zu halten.
    • Holt den Hund aus dem Auto und leitet die oben beschriebenen Erste Hilfe-Maßnahmen ein. Denkt bitte auch daran, dass der Hund ggf. aus Angst aggressiv reagieren könnte. Denkt also auch an Euren Eigenschutz.
    • Ganz wichtig, um Euch für später abzusichern, dokumentiert Eure Rettungsaktion, am Besten mit Bildern oder einem kleinem Video und Zeugenaussagen. 

 

...und was die Rechtslage dazu sagt

Natürlich fällt das Aufbrechen einer Tür oder das Einschlagen eines Fensters erstmal unter den Tatbestand der Sachbeschädigung nach $303 StGB und kann auch zivilrechtlich geahndet werden. Dem gegenüber stehen aber  §34 StGB (rechtfertigender Notstand) oder auch §228 BGB (Notstand), die beide ein Eingreifen rechtfertigen. Im Falle eines Falles müsst Ihr aber beweisen, dass eine solche Notsituation vorlag und Euch keine anderen Handlungen möglich waren. Deshalb dokumentieren und Zeugen benennen.

 

Ich persönliche finde, dass ein gefährdetes Hundeleben jedes Eingreifen rechtfertigt und würde deshalb auch nicht zögern, die Scheibe einzuschlagen – WENN ich mit meinen vorherigen Maßnahmen keinen Erfolg hatte. Hoffen wir aber, dass es nie soweit kommt und wir durch permanente Aufklärung viel mehr Erreichen können.

 

Und jetzt wünsche ich Euch einen entspannten Sommertag mit Euren geliebten Fellnasen!

 

P.S. Denkt dran, "Sharing is caring". :-) Je mehr Hundehalter um die Gefahren der Sommerhitze wissen, desto weniger Hunde müssen erleiden. Also, teilen ist ausdrücklich erwünscht. :-)

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agilavet Tierphysiotherapie und 
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Tina Löffler

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